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Studien- und Berufswahlorientierung am JAG



Vorbemerkung:

1983 richtete das JAG als erstes Gymnasium der Region für seine Jahrgangsstufe 10 ein Schülerbetriebspraktikum ein. Vorabgeschaltet nahmen zwei Kollegen an einem Lehrerbetriebspraktikum teil, das vom Landesinstitut für Schule und Weiterbildung in Soest angeboten wurde. Es erwuchs eine enge Zusammenarbeit mit der dortigen Abteilung „Berufswahlorientierung“ unter Prof. Dr. Brauneck, die zur Teilnahme am EG-Projekt „Mädchen und Berufswahl“ und zu einer mehrjährigen Mitarbeit in der Arbeitsgruppe des Landesinstitutes zum Thema „Schulische Curricula zur Verbesserung der Berufswahlfähigkeit und beruflichen Integration von Mädchen“ führte. Moderatorentätigkeit und weitere Fortbildungsmaßnahmen im Bereich der Studien- und Berufswahlvorbereitung in beiden Sekundarstufen schlossen sich an. Zudem setzte die Schule schon in den Anfängen in der Vorbereitungsphase des Praktikums – zunächst noch einzelprojektbezogen – auf stabile, langfristige Kooperationen mit regionalen Wirtschaftsakteuren: Betriebserkundungen unter funktionalem, unter sozialem wie gesellschaftlichem Aspekt und unter dem des technisch-ökonomischen Gesichtspunkten mit dem Bergwerk Prosper-Haniel, mit der Firma Rothrist Rohr GmbH und der Agathon Kunststoff- und Metallwarenfabrik finden seit 25 Jahren in Kooperation statt.

Die Situation 2008


Das JAG hat aus seinem Selbstverständnis heraus, dass Lernen auch und gerade den Anwendungsbezug in beruflich-orientierender Hinsicht benötigt, dass die Qualifizierung des Schülers sich nicht allein an den Abiturnoten zu messen hat, will man ihm einen strategischen Vorteil mitgeben, den Gedanken der Kooperation und der außerschulischen Partnerschaft nicht allein auf den Prozess der Berufswahlorientierung im engeren Sinne begrenzt, sondern in die Organisation von Unterricht, Schulentwicklung und Schulprofilierung im Sinne individueller Förderung auch im Bereich der Studien- und Berufswahlvorbereitung sehr umfangreich eingearbeitet.

Im Folgenden sind besondere Maßnahmen und Schwerpunkte herausgestellt; umfassend ist im Anhang der gesamte Bereich der Berufs- bzw. Studienorientierung einschließlich seiner Unterrichtsverknüpfungen tabellarisch gelistet:

Schülerbetriebspraktikum Sek I


Das Praktikum findet in der Jahrgangsstufe 9 in den ersten Wochen des Januars vierzehntägig statt. Es bietet die Möglichkeit, die Berufs- und Arbeitswelt unmittelbar kennen zu lernen, sich mit ihr auseinander zu setzen und ein allgemeines Verständnis der Arbeitswelt mitsamt ihren technischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bedingungen, das auf eigenen Erfahrungen beruht, in Ansätzen zu formen. Ziel unseres gymnasialen Praktikums ist also nicht das Finden eines passenden Ausbildungsplatzes, sondern das aspektgesteuerte Kennenlernen beruflicher Handlungswelten. Von entscheidender Größe ist dabei die Vorbereitung des Praktikum in unterrichtlichen Maßnahmen und im Kooperationszusammenhang mit der Sparkasse Bottrop.
Bewerbungstraining
In Verbindung mit dem Kooperationspartner Sparkasse Bottrop wird ein eintägiges Bewerbungsseminar im Klassenverband im Schulungscenter des Institutes abgehalten: Berufswahl, Bewerbungsschreiben, schriftliche Einstellungstests unter Realzeitbedingungen und Vorstellungsgespräch sind Bausteine dieses Seminars, das den Einstieg in die Arbeitswelt professionalisieren will.
Gender Mainstreaming Ansatz
Dieser oben angezeigte Ansatz wird auch fernerhin regelmäßig beworben und aufgegriffen: Jungen suchen in eher frauenspezifischen Berufsfeldern einen Praktikumsplatz, Mädchen in eher männerspezifischen, um im eigenen Alltagsvollzug geschlechtsspezifische Berufswahl und ihre damit verbundene Beschränkung der Lebens- und Erfahrungswelten in je unterschiedlicher Form wahrzunehmen.
Schüler lehren Schüler
Anhand von Best-Practice-Beispielen stellen Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 10 handlungsorientiert ihre durch den Schulleiter prämierte Praktikumsdokumentation vor. Die Verlagerung der Unterrichtsaktivitäten vom Lehrer auf den Schüler bewirkt – ähnlich auch in der von Schülern durchgeführten Einführung in das Programm Power Point – größere Nachhaltigkeit und Effektivität.

In der Durchführungsphase werden die Schülerinnen und Schüler von der Schule nach dem kollegialen Modell besucht. Jede Lehrkraft, die in der Jahrgangsstufe 9 unterrichtet, besucht ihre Schülerinnen und Schüler und ist so in den Betreuungs- und Dokumentationsprozess eingebunden: Denn schon vor Ort, im Betrieb, wird die Dokumentation des Praktikums besprochen. Sie kann als Mappe, als Power-Point-Präsentation, in Form von Interviews, als Text-Bild-Kombination, als filmische oder fotografische Umsetzung gestaltet sein. Wesentlich - auch für die Notenfindung - ist in der Nachbereitung die Präsentation vor der Klasse, die maximal 7-10 Minuten dauern sollte. Ihre Beurteilungskriterien sind: der fachspezifische Bezug, die Präsentation, der kommunikative Bezug, die Genauigkeit von Inhalt und Reflexion, die Originalität.


Sek II – gymnasiale Oberstufe


Unter Berücksichtigung des in der Sek I initiierten Orientierungsprozesses sind, zeitlich gestaffelt, Elemente der Studien- und Berufsorientierung als unterrichtsergänzende, fächerübergreifende wie auch schulfachspezifische Veranstaltungen gestaltet. Besonders hervorzuheben sind:

Berufsorientierungsseminar in der Jg. 12
Um die Startchancen unserer Schüler verlässlich zu stärken, ihre Interessenslagen in klare und erfolgversprechende berufliche Perspektiven münden zu lassen, aber auch um Berufs- und Studienanforderungen in Lebensplanungen sachangemessen zu integrieren, veranstaltet die Schule jährlich im Februar ein an den Wünschen der Schüler inhaltlich eingerichtetes Berufsorientierungsseminar. Aus dem lokalen, regionalen und mittlerweile auch internationalen Kontaktumfeld der Schule kommen Fachleute, die in praxisbezogenen Referaten und in Gruppengesprächen berufs- und studienwahlrelevante Informationen und Entscheidungsimpulse geben. Gleichzeitig stellen sich Studienberater verschiedener Hochschulen (Duisburg-Essen, Gelsenkirchen, Hagen, Enschede, Nijmegen) vor.

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Mittlerweile kann das JAG in der Durchführung des Seminars auf ein ungebrochenes Interesse langjährig mit der Schule verbundener Experten unterschiedlichster Fachrichtungen zurückgreifen, welche z.T. auch den außerschulischen Profilunterricht der gymnasialen Oberstufe in praxisnahen Projekten begleiten bzw. mitorganisieren.
In diesem Jahr waren es:
Prof. Dr. Meyer-Schwickerath (Universität Essen/ Knappschaftskrankenhaus, Bottrop) über medizinische und klinische Berufe
Prof. Dr. Koch, Prof. Dr. Strotmann, Prof. Dr. Oberschelp, Prof. Dr. Tönsmann (FH-Gelsenkirchen) und Prof. Dr. Mertens (Fachhochschule Bochum) über Studiengänge im Bereich der Chemie und den Ingenieurwissenschaften
Prof. Dr. Reichart (FH-Gelsenkirchen) und Prof. Dr. Mueller-Clostermann (Universität Duisburg/Essen) über Studiengänge im Bereich Wirtschaft bzw. Wirtschaftsinformatik
Herr Spletter (WAZ, Essen) über Journalistik
Herr Brambring (Bottrop) über Architektur
Herr Wolf (Sparkasse Bottrop) über den Beruf des Bankkaufmanns
Herr RA Rühl aus Bottrop über juristische Berufe
Herr Beyhoff (TUI Reise Center Bottrop) und Herr Wischermann (Best Western Hotel) über Berufe in der Touristik und des Hotelwesens
Herr Mohr (Berufskolleg Recklinghausen) über kaufmännische Aus- und Weiterbildung/Schwerpunkt Automobilbereich
Herr Basista (Basista Leiterplatten GmbH, Bottrop) über Betriebsgründungen
Frau Ernst (Finanzamt Bottrop) über Berufe im Bereich des Steuerwesens
Frau Bergmann (CP Concept & Promotion GmbH Bottrop) über das Berufsfeld Künstler- und Eventmanagement
Herr Jung (C four C Gelsenkirchen) und Frau Bergmann (CP Concept & Promotion GmbH) das Berufsfeld Marketing / Werbung / Eventmanagement
Frau Wilms (Stadtwaldapotheke Bottrop) über das Berufsfeld Pharmazie
Frau Kaufmann-Friedrich (Bundeskriminalamt) und Herr Verstege (Polizeipräsidium Recklinghausen) über Polizeiberufe
Herr Eul (Kreiswehrersatzamt Wesel) über Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten bei der Bundeswehr
Herr Landmann (Caritasverband Bottrop) und Frau Schlagheck (Psychologische Psychotherapeutin aus Gladbeck) über die Fachgebiete ‚Psychologie’ und ‚Psychotherapie’
die Herren Trippe (Evangelische Jugend Bottrop bzw. Jugendamt der Stadt Bottrop) über außerschulische pädagogische Berufsfelder
Grundschullehrer der Fichte-Schule und Referendare des JAG über das Lehramtsstudium und den Lehrberuf informieren.
Darüber hinaus haben die Schülerinnen und Schüler die Gelegenheit zu individuellen Beratungsgesprächen mit den Studienberatern der angezeigten (Fach-)Hochschulen und der Agentur für Arbeit.

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Besuch von Hochschulen der Region an Beratungstagen und Tagen der offenen Tür
Exemplarisch organisiert die Schule einen eigenen Tag „der offenen Tür“ für die Stufe 13 an der Fachhochschule Gelsenkirchen, wo sie vor Ort von Vertretern der Hochschule über die verschiedenen Fachbereiche, Studiengänge und über studentisches Lern- und Arbeitsmanagement informiert werden.

Projekttage „Außerschulisches Lernen“ in der Stufe 13
Bestandteil des Profilunterrichts ist eine zweitägige Veranstaltung „Außerschulisches Lernen“ in der Stufe 13.1, während der alle Schülerinnen und Schüler außerhalb der Schule in profilbezogenen Projekten arbeiten, in deren Zusammenhang sie unter Anleitung außerschulischer Partner aus der Region mit entsprechend authentischen Problemkomplexen konfrontiert und an diesbezüglichen Problemlösungen beteiligt werden. Beispielsweise arbeitet der Profil-LK Deutsch mit einer Anwaltskanzlei an rhetorischen Fragen der juristischen Verhandlungsführung, der Profil-LK Mathematik mit einem Versicherungsunternehmen an Problemen des Rechnungswesens, der Profil-LK Chemie mit der Fachhochschule Recklinghausen an Experimenten im Labor, der LK-Biologie mit einem Nahrungsmittelunternehmen an Fragen der Produktfertigung.

Schüleruniversität – ein- oder zweisemestriges Probestudium für besondere Begabungen
Mehrere Schüler absolvieren in ausgewählten Fächern des mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereichs an der Universität Duisburg-Essen, Campus Essen ein ein- oder zweisemestriges Probestudium mit dem Ziel zu erkunden, ob das spätere Studium der Mathematik oder das Studium einer Natur- bzw. einer Ingenieurwissenschaft den eigenen Neigungen und Kompetenzen entspricht.

Literaturrecherche – Zusammenarbeit mit der Universitätsbibliothek Essen
Zur Vorbereitung auf die Facharbeit, aber auch auf komplexe Lernanforderungen in der Qualifikationsphase (z.B. auf Referate) besuchen alle Schülerinnen und Schüler der Stufe 12/I eine Einführungsveranstaltung der Universitätsbibliothek Essen zu Aspekten der Bibliographie, der Literaturrecherche, der Lernmittelbeschaffung sowie einer entsprechenden Bibliotheksnutzung. In diesem Zusammenhang können auch Bibliotheksausweise der Uni Essen kostenlos erworben werden.

„Denkste!“ – Propädeutisches Seminar zur Logik und Argumentationstheorie zu Beginn der Stufe 13
Zu Beginn der Stufe 13 nehmen die Schüler an einem mehrtägigen propädeutischen Seminar zur Einführung in Grundkenntnisse über logisch bedeutsame Argumentationsprinzipien und Begründungsmuster teil. Fachlehrer aus den Fachschaften Philosophie und Mathematik stellen die Grundregeln der Aussagen- und Prädikatenlogik vor und konfrontieren die zukünftigen Abiturienten mit logischen Problemstellungen aus Alltag, Politik, Rhetorik, Kriminalistik und Wissenschaft. Das Seminar bietet in Zusammenhängen aller Art gleichermaßen systematische wie fallbeispielorientierte Möglichkeiten zur gezielten Erarbeitung und spielerischen Erprobung logischer und argumentativer Prinzipien und Strukturen. Die Problemstellungen sind in aller Regel angebunden an alltägliche bzw. lebensweltliche Situationsmuster. Ziel des Seminars ist eine studien- bzw. berufsgerechte Vertiefung und Systematisierung des Grundlagenwissens, das den bedeutsamen Hintergrund aller erdenklichen Fachqualifikationen bildet. An das Seminar schließt ein Wettbewerb zur Lösung eines logisch komplexen Rätsels an.

Wirtschaftsenglisch und Wirtschaftsspanisch mit der RAG – BILDUNG
Mit diesem circa 50-stündigen Zusatzangebot wird den Schülern der Oberstufe die Chance geboten, individuell die im Unterricht erworbenen Fremdsprachenkenntnisse anzureichern und durch eine schriftliche wie mündliche Prüfung vor der London Chamber of Commerce and Industry (LCCI), der Londoner Industrie- und Handelskammer, zertifizieren zu lassen. Üblich sind Abschlüsse auf dem Level III, einzelne Schüler schließen auch auf dem Level IV (native speaker-Niveau) ab.

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Eine tabellarische Übersicht über das Praktikum finden Sie hier .
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